Streit zwischen BKA und LKA im Fall Amri eskaliert

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Anis Amri sei im höchsten Maß gefährlich. Zu diesem Entschluss kam damals das Landeskriminalamt (LKA) Nordrhein-Westfalen und setzte einen V-Mann auf den Tunesier an. Dieser V-Mann (VP01) leistete gute Arbeit und lieferte zahlreiche Belege, die die These der Gefährlichkeit Amris untermauerten. Aufgrund des Ortswechsels Amri übernahm irgendwann das Bundeskriminalamt (BKA) die Überwachung des Tunesiers und traf dann, so die Aussagen eines führenden Polizisten des LKA NRW, die fatale Entscheidung, die Überwachung Amris abzusetzen und den V-Mann aus dem unmittelbaren Umfeld abzuziehen. In einem Gespräch zwischen LKA und BKA soll ein BKA-Mitarbeiter erklärt haben, die Entscheidung des Abzugs des V-Mannes sei »von ganz oben«, also aus dem zu der Zeit von de Maiziére (CDU) geführten Innenministeriums, erfolgt sein.
Wie falsch und fatal diese Einschätzung und Entscheidung gewesen ist, zeigte sich am 19. Dezember 2016 auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz. Amri mordete einen polnischen LKW-Fahrer, kaperte dessen Fahrzeug und steuerte den 40-Tonner gezielt in die den dortigen Markt besuchenden ahnungslosen Gäste.
Jetzt stehen beide Männer vor dem Untersuchungsausschuss und überhäufen sich gegenseitig mit Vorwürfen. Der LKA-Mann wirkt laut Beobachtern allerdings um Längen glaubhafter. Der BKAler rudert zurück, weicht aus und verstrickt sich in Widersprüchen oder hat plötzlich unerklärliche Erinnerungslücken. Tatsache ist: einer der beiden nimmt es bei seinen Aussagen mit der Wahrheit nicht so ganz genau. Ein Trauerspiel und ein Armutszeugnis für die (nicht vorhandene) Zusammenarbeit zwischen Landes- und Bundesbehörden ist es darüber hinaus auch noch.

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