In Zeiten des Coronavirus: Kirche muss sich auf Seelenheil konzentrieren

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Ein Priester schrieb mir vor kurzem: »Ich war mit meinen Pfarrmitgliedern heute Abend bis 20:00 Uhr in der Kirche. Offizielle wurden alle öffentlichen Messen, Andachten und Versammlungen der Diözese bis zum 1. April gestrichen. Viele Menschen sind verzweifelt angesichts des Verlustes der Sakramente. Es ist eine unheimliche Situation für einen Priester und Seelsorger, nicht mehr diese Gnaden in die Leben seiner Schafe bringen. Eines meiner Pfarrmitglieder ist in einem Hospiz und ich werde abgehalten, ihn zu besuchen. Glücklicherweise brachte ich ihm die Sakramente erst vor einigen Tagen, aber trotzdem…«

Weiter sagte er mir: »Es ist schon seltsam. Alles ist geschlossen und ich habe mehr mit Anrufen, E-Mails und Einzeltreffen zu tun, als jemals zuvor. Und lassen wir mal ‚kreative‘ Weisen, in Kommunikation zu bleiben, außen vor, Unterstützung durch Gebet und Ermutigung von Pfarreimitgliedern. In der vergangenen Nacht und in den letzten zwei Tagen sind mir zwei Haltungen besonders aufgefallen. Die erste ist die schöne, ehrliche (und traurige) Fassungslosigkeit, keinen Zugang zu den Sakramenten zu haben. Dies zweite ist eine erschütternde Angst und Sorge um das Virus und die unbekannte Zukunft. Die erste Haltung ist gut, die zweite ist verständliche, aber schwer damit umzugehen. Und das erst nach einigen Tagen!«

Zwischen der kontinuierlichen Berichterstattung über die Coronavirus-Pandemie und – in katholischen Kreisen – die Diskussion darum, was die Antwort der Kirche sein sollte, stößt die Frustration unter Priestern – guten Priestern –nicht auf Gehör. Man beachte: die Frustration ist da, bei den Menschen sein zu wollen, aber die Unsicherheit, wie man es anstellen soll, ohne ihnen Schaden zuzuführen.

Einige Priester haben mir bereits geschrieben, dass sie einfach hinaus wollen und zwar ohne Rücksicht auf Verluste (mindestens zehn Priester in Italien sind schon dem Virus erlegen). Und an einigen Orten – meiner eigenen Pfarrei beispielsweise – versuchen Priester ‚kreative‘ Wege zu finden, Beichte zu hören ohne (hoffen wir es) ihre Pfarrmitglieder oder sich selbst in Gefahr zu bringen.

Aber öffentliche Gesundheitsbeamte haben das Recht, die Priester davor zu warnen, dass sie das Virus verbreiten könnten, wenn sie oft mit Kranken in Verbindung kommen.

Selbst kurzer Kontakt kann schon Schwierigkeiten mit sich bringen. Unser Freund und Kollege P. Gerald Murray ist derzeit in selbst auferlegter Quarantäne. Er erklärt auf seiner Facebook-Seite:

Liebe Freunde, ich wurde an diesem Morgen informiert, dass einer unserer Pfarrmitglieder positiv für das Coronavirus getestet wurde und sich nun in einer Isolierstation in NYU Langone befindet. Sie ist eine ältere Frau.

Ich habe sie am 10. März in ihrer Wohnung besucht und mit ihr am Essentisch gesessen. Ich fühle mich gesund, außer dass ich etwas müde bin, was aber auch auf meinen verknacksten Fuß rückführbar ist (dem es schon besser geht) und dem allgemeinen Stress in diesen Tagen. Ich huste nicht und habe kein Fieber und auch keine Atemwegsprobleme.

Bitte beten sie für meine Pfarrmitglieder und alle Kranken.‘

In diesen Umständen müssen wir alle mit Rückschlägen und Ausfällen rechnen. Und in einem gewissen Maß auch mit Verwirrung auch bei denen, die es gut meinen (die Feigen und Korrupten sind in einer Zeit wie dieser unbemerkt).

Eine Sache jedenfalls darf nicht passieren und zwar, dass die Kirche ihre rettende Wahrheit über das menschliche Leben im Angesicht der weitverbreiteten Krankheit und Tot unter den Scheffel stellt. Da alle 7,5 Milliarden Menschen, die derzeit auf der Erde leben, früher oder später sterben müssen, wäre das eine größere geistliche Pandemie weitaus tödlicher als der Virus.

Eine überzeugte Frau, die in der Vergangenheit für The Catholic Thing geschrieben hat, sandte mir soeben dies:

‚Ich weiß nicht, ob Sie die offizielle Erklärung Erzbischof [Wilton] Gregory von [Washington D.C.] im Coronavirus-Bereich der Website der Erzdiözese über die Aussetzung öffentlicher Messen gelesen haben. Ich mache Sie darauf aufmerksam (wenn Sie es nicht gesehen haben), nicht wegen der Entscheidung, über die so oder so gestritten werden kann, sondern wie kurz die Maske fallen gelassen wurde, die mit offiziellen Aussagen von – leider viel zu vielen – katholischen Kirchenmännern heutzutage vergleichbar ist: [Hervorhebung hinzugefügt]

Wir sind uns der sich schnell entwickelnden Distrikt- und Landesrichtlinien in Bezug auf das Coronavirus bewusst. Meine oberste Priorität als Ihr Erzbischof ist es, die Sicherheit und Gesundheit aller zu gewährleisten, die an unseren Messen teilnehmen, der Kinder in unseren Schulen und derer, die wir durch unsere Öffentlichkeitsarbeit und unsere Dienste willkommen heißen. Bitte wissen Sie, dass diese Entscheidung nicht leichtfertig fällt, unsere Schulen zu schließen oder Messen abzusagen.‘

Haben Sie verstanden, was als Erzbischof seine oberste Priorität ist? Und niemand hat ihn darauf hingewiesen, als er oder jemand anderes es schrieb oder ihm sagte, er solle das ein wenig qualifizieren und etwas über die Pflege von Seelen und dergleichen einbeziehen. Sie glauben nicht – das sieht man wieder und wieder.‘

Sie hat absolut Recht. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen Menschen großspurige öffentliche Erklärungen abgeben, werden ihre grundlegendsten Annahmen offenbar.

Vor zwei Wochen, bevor die gegenwärtigen Befürchtungen über das Virus – es scheint, als wären seitdem Jahrhunderte vergangen – schrieb ich, wie die Bezeichnung Sicherheit »als unsere oberste Priorität« ein Zeichen für einen versteckten Materialismus und Dekadenz geworden ist. Während einer Pandemie sollte die Sicherheit natürlich nicht die letzte sein. Aber wir sollten erwarten können, dass unsere katholischen Führungspersönlichkeiten nicht wie die politischen Heiden von unserer »Priorität Nummer eins« sprechen.

Unsere modernen Gesundheitssysteme können aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung mit Infektionskrankheiten viel dazu beitragen, dass Leiden und den Tod des Menschen zu minimieren.

Auch die Kirche hat Jahrtausende Erfahrung mit Sünde und Erlösung, Leben und Tod (sogar in Zeiten der Pandemien) in dieser Welt und in der kommenden. Einer der großen fiktiven Berichte über solche Erfahrung ist Alessandro Manzonis The Betrothed, der vielleicht wichtigste katholische Roman, der jemals geschrieben wurde, eine Art katholischer Krieg und Frieden.

Worte sind wichtig. Taten auch – wie öffentliche Gebete, Prozessionen, Bußen, Wiedergutmachungen (ein Wort aus Fatima).

Papst Franziskus hat letzte Woche im Namen aller an der Pandemie Leidenden eine großartige Pilgerreise zu besonderen Gebetsorten in Rom unternommen. Er hat Menschen auf der ganzen Welt aufgefordert, heute Abend um 21.00 Uhr Rom-Zeit gemeinsam einen Rosenkranz zu beten.

Wir sollten dies alle nachahmen und weiterführen. Hier liegen unsere Stärken. Lassen Sie uns auf Schritt und Tritt zeigen, dass unsere »erste Priorität« trotz weit verbreiteter Unsicherheit und des Todes die Wahrheit und das ewige Leben ist.

(jb)


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