Bürgerlich ist, wer seine Burg verteidigt

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Nach den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg und der Anmerkung einer Redakteurin fragte ganz Deutschland: Was ist eine bürgerliche Koalition? Doch vor einer Antwort wäre zu klären, was denn bürgerlich ist.
Da bürgerlich von Bürger abgeleitet ist, ist zu fragen, was Bürger bedeutet. Schnell stellt man fest, der Begriff hat eine lange Geschichte. Halten wir uns daher lieber an die Wortherkunft. Sie verrät mehr, als ein Vergleich der Situationen in Rom und Athen. Denn natürlich ging es bei dem Streit, den die Anmerkung der Redakteurin ausgelöst hat, nicht um Römer oder Athener.
Bürger leitet sich ab aus dem althochdeutschen burgæri und dem mittelhochdeutschen burger – der Bewohner einer Burg oder einer Stadt. In dieser Lesart stammt Bürger ab von Burg. Eine Zuordnung, wie sie sich auch bei Wikipedia findet. Hier heißt es denn auch: »Bürger sind also von Burgmannen zu unterscheiden, die zur besoldeten Wachmannschaft einer Burg gehörten.«
Das gleichbedeutende altenglische burgwaran legt es jedoch laut Etymologischem Wörterbuch von 1993 nahe, dass es sich bei burgæri ursprünglich um eine Zusammensetzung aus Burg und dem Suffix –waran handelt, einem Wort aus der Gruppe wehren. Im englischen Romware und im altnordischen Romverjar für Römer tritt der zweite Wortteil explizit auf. Worte, die sich zu Baiovarii entwickelten. Der Anlaut zum zweiten Wortteil fällt oftmals aus und ergibt dann den Übergang von Romware zu Römer und von burgwaran zu Bürger.
Damit ist der Bürger allerdings mehr als nur einfacher Bewohner einer Burg oder Stadt. Er suchte dort auch nicht einfach Schutz oder Geborgenheit, wie Wikipedia suggeriert. Der Bürger verteidigt die Burg oder die Stadt. Er setzt sich für sie, riskiert Hab, Gut und unter Umständen Leben. Dieses Gefühl der Verantwortung für seine Burg und seine Stadt zeichnet ihn aus.
Damit wird deutlich, warum der Bürger von der politischen Linken so oft verhöhnt worden ist. Bürgerlich, das war der Klassenfeind oder später der Spießer. Übrigens nicht nur für Linke. Den Nationalsozialisten war der Bürger genauso zuwider. Erst mit den Grünen mutierten Rote zu Bürgern. Allerdings bleiben die meisten von ihnen unter der Oberfläche das, was sie sind: Linke. Jeder, der sich auf den Staat als großen Organisator und Retter beruft, ist sicher kein Bürger. Er gehört zu jenen, die sich auf die Burg flüchten wollen, um von anderen verteidigt zu werden. Der Bürger kämpft selber.
Damit erscheint die Frage, was bürgerlich ist, in einem deutlich anderen Licht. Denn bürgerlich kann nur sein, wer seine Burg oder Stadt auch verteidigt. Er steht auf dem Wall oder der Mauer. Er braucht und verlangt für sein Land sichere Grenzen. So gesehen, gibt es in Deutschland nicht mehr allzuviele bürgerliche Parteien.

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